Sound-Art, Audiokunst, Field Recording, Soundscape, https://freesound.org/, Tonkunst
Die Ursprünge der Klangkunst reichen bis in das frühe 20. Jahrhundert zurück, als Komponist*innen und Avantgarde-Künstler*innen begannen, die starren Grenzen zwischen Musik und Geräusch zu hinterfragen und Geräusche (Maschinen usw.) in die künstlerische Praxis zu integrieren.
Experimentelle Entwicklungen fanden in der Mitte des 20. Jahrhunderts statt. Komponist*innen, die mit technologischen Entwicklungen arbeiteten (z.B. Pierre Schaeffer von Musique concrète https://ubu.com/sound/schaeffer.html), begannen in den 1940er Jahren, aufgezeichnete Geräusche mit frühen Tonbandtechnologien zu manipulieren. Diese neue Ansätze behandelten aufgezeichnete Geräusche nicht nur als Dokumentation, sondern als Rohmaterial, das geformt, komponiert und transformiert werden konnten.
Auch John Cage trug durch seine Komposition "4'33"" (1952, https://youtu.be/F_xNwxcCxHM?si=UNoK-kbl1xyrK57_) zur Erweiterung der Definitionen von Musik und Klangkunst bei, und stellte grundlegend in Frage, was Kunst und Musik umfassen können. Er forderte das Publikum heraus, die Natur von Klang und Stille neu zu überdenken: der Interpret bleibt während der gesamten Dauer der Komposition still und lenkt die Aufmerksamkeit absichtlich auf die umgebenden Geräusche, die den Raum natürlicherweise füllen.
In den 1960er Jahren integrierten Künstler*innen zunehmend Klang in visuelle Arbeit und Umgebungen. Die Fluxus-Bewegung förderte diese interdisziplinären Ansätze (https://youtu.be/YibFHWZ66GQ?si=VRXeTZtHrVAKC7t-, https://youtu.be/gXOIkT1-QWY?si=qLg-yzMgdBI1OJ-0), während die Klangskulptur als eigenständiges Medium hervortrat. Ein prominenter Name war Max Neuhaus, ein Pionier der Klanginstallationen und ortsspezifische Werke, die öffentliche Räume durch akustische Interventionen umgestaltete.
Klangkunst ist eine Form der künstlerischen Ausdrucksweise, bei der der Klang als Hauptmedium dient. Obwohl sie auf den ersten Blick ähnlich wie Musik erscheinen mag (beide arbeiten ja mit "Klang"), unterscheidet sich Klangkunst grundlegend in ihrer Absicht und ihrem Konzept. Während [Konzert-]Musik sich typischerweise mit der Gestaltung von Zeit und Form beschäftigt, konzentriert sich Klangkunst auf das Erlebnis und die Entwicklung des Klangs selbst (oft ohne vordefinierte Dramaturgie) und lädt dazu ein, unsere Beziehung zur akustischen Umgebung neu zu überdenken und aktives Hören anstelle von passivem Hören zu fördern. Also anstatt sich z.B. auf Melodie, Harmonie und Rhythmus zu konzentrieren, untersucht Klangkunst die Qualitäten, Quellen, den Kontext des Klangs und wie Zuhörer ihn erleben.
Die Praxis der Klangkunst umfasst vielfältige Ansätze: von abstrakten Klangkompositionen bis hin zu ortsspezifischen Installationen (Galerien, Museen, öffentliche Räume und digitale Plattformen). Soundkünstlerinnen und Soundkünstler fordern häufig herkömmliche Hörgewohnheiten heraus und laden das Publikum dazu ein, Klang auf neue Weise zu erleben.
Ein grundlegender Unterschied zwischen Klangkunst und (konventionelle) Musik liegt in der Absicht und der Präsentation. Musik zielt in der Regel darauf ab, durch organisierten Klang ästhetisches Vergnügen zu schaffen, während Klangkunst oft die konzeptionelle Erforschung, die räumliche Erfahrung und die Beziehungen zwischen Klang, Umgebung, Wahrnehmung und Bedeutung in den Vordergrund stellt. Sie kann alltägliche, normalerweise ignorierte Geräusche sichtbar machen oder vertraute Geräusche durch das Platzieren in neuen Kontexten fremd erscheinen lassen.
Klangkunst wirft auch Fragen zur Urheberschaft auf. Viele Klangkünstler*innen integrieren Stimmen, Geschichten und Umgebungsaufnahmen, die bestimmten Gruppen oder Orten zugehörig sind. Diese Dimension unterscheidet Klangkunst von der traditionellen Komposition, bei der ein einzelner Autor*in in der Regel alle kreativen Entscheidungen trifft. Durch das Teilen der kreativen Autorität (wenn z.B. andere bei den Aufnahmen beteiligt gewesen sind) oder das Dokumentieren kollektiver Erfahrungen erkennen Klangkünstler*innen an, dass Klanglandschaften von vielfältigen Kräften geformt werden: sozialen, politischen, natürlichen und technologischen (Beispiel ist das Radio Aporee Maps).
Die Einführung von elektronischen Musikstudios in den 1950er Jahren, Synthesizern und später (in den 1970er und 1980er Jahren) von Personalcomputern erweiterte die verfügbaren kreativen Werkzeuge erheblich. Diese technologische Entwicklung und die Demokratisierung der Arbeitsmöglichkeiten prägen das Feld bis heute, wobei zeitgenössische Klangkünstler*innen Techniken von analogen Tonbandschleifen bis hin zu Audio-Programmierung nutzen.
Beispiele für Musik aus den Studios:Eine Klangskulptur ist ein Kunstwerk an der Schnittstelle von bildender Kunst (das Objekt), Musik (der Klang) und Performance (Bewegung). Sie vereint visuelle und akustische Elemente zu einer untrennbaren Einheit. Sie verwendet physikalische Objekte, die Klang erzeugen, verstärken oder modifizieren, und steht zwischen der visuellen Kunst und der Klangkunst/Musik. Beispiele hierfür sind Außenarbeiten, die durch Wind aktiviert werden. Auch kinetische Skulpturen mit Motoren und resonanten Materialien gehören zu dieser Kategorie. Künstler*innen konstruieren spezialisierte Instrumente und Klangobjekte, die durch Natur, menschliche Interaktion oder automatisierte Systeme ausgelöst werden.
Im Gegensatz zur traditionellen Skulptur, die primär auf visuelle Wahrnehmung ausgelegt ist, ist die Klangskulptur klangerzeugend (autonom und/oder interaktiv). Der Klang ist kein Beiwerk, sondern ein konstitutiver Bestandteil des Werkes.
erfassen Umgebungsgeräusche, die entweder unverändert präsentiert oder in komponierte Werke integriert werden können. Diese Methode hat oft dokumentarische oder ethnografische Bedeutung und bewahrt Klanglandschaften, die spezifische Orte, Zeiten oder Gemeinschaften repräsentieren.
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